mit Pfr. Ingo Meißner
Treue aus biblischer Sicht - "Treueaktion - Jetzt Punkte sammeln!"
Predigt: Hosea 11
Lieder:
- Bist du groß oder bist du klein (Gott liebt dich) CCLI-Nr.: 4350318
- FJbo 213: Bis ans Ende der Welt CCLI-Nr.: 4331007
- FJbo 172: I sing a simple song of love (Arms of love) CCLI-Nr.: 824481
- FJbo 91: Treu (Du bleibst an meiner Seite) CCLI-Nr.: 4328979
- FJbo 92: Ewig treuer Gott (Es liegt Kraft in dem Warten auf den Herrn) CCLI-Nr.: 5227378
- NL+ 74: Schalom, Schalom, der Herr segne uns CCLI-Nr.: 4334190
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu Hosea 11 „Gott ist treu“
Himmelwärtsgottesdienst, Thema „Treue aus biblischer Sicht“
(8. Juni 2024, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Treuepunkte beim Discounter. Rabattmarken beim Supermarkt. Payback-Punkte digital.
Es gibt so viele Formen, wo man heute über Treue zu einem Laden oder Geschäft Vorteile genießt. Kundenbindung nennt man das auch.
Auch Banken, Fitnessstudios, Versicherungen – alle machen mit beim dem System von Treue und Belohnung.
Und wir machen gerne mit. Auch ich. Und es ist auch gar nichts Negatives dran, wenn man wegen Treueaktionen durchaus hier und da viel Geld sparen kann, oder eine Leistung erhält, die es ansonsten nicht gäbe.
Kann man bei Gott auch Treuepunkte sammeln, um so in den Genuss eines Vorteils zu kommen?
Lasst uns dem jetzt mal die nächsten Minuten nachgehen, was es mit dem Thema „Treue“ so auf sich hat. Und was das mit Gott zu tun und wie er darüber denkt.
Was ist Treue?
Das Wort „Treue“ ist verwandt mit ähnlichen Worten wie „Trauen“, „Zutrauen“, oder auch „Vertrauen“.
Treue ist dabei etwas Aktives. Wo ich es etwas tue.
Bei Treue schwingen die Aspekte von Versprechen, Gelübde, ja sogar Bund / Bündnis mit.
In der NATO – dem westlichen Verteidigungsbündnis – hier auch das Wort Bund - spricht man auch immer wieder von Bündnistreue, wenn es z.B. zu einem Konfliktfall bei NATO-Partnern kommen sollte und man eben dann notfalls auch mit Waffengewalt dem Partner treu zur Seite steht.
Treue meint also: Man steht zu dem, was man sagt. Man steht verlässlich zu anderen.
Oder auch sich selbst gegenüber. So kann man treu zu seinen eigenen Werten stehen. Handeln in der Weise, wovon ich eben überzeugt bin. Wenn ich z.B. Ehrlichkeit sehr wichtig finde, dann stehe ich treu zu meinen Werten, wenn ich mich stets ehrlich verhalte.
Auch meinen Gefühlen gegenüber kann ich treu sein: wenn ich z.B. dem anderen sagen kann, was ich wirklich gerade denke und fühle.
Es kann auch Treue zu guten Vorsätzen sein – wie das alljährlich an Sylvester neu formulierte Bekenntnis im neuen Jahr dies oder jenes nun wirklich und endlich mal anzugehen und umzusetzen. Abnehmen und Sport sind das statistisch gesehen die beliebtesten Neujahrsvorsätze…
Ihr merkt Treue zu anderen und zu sich selbst hat dann schnell auch mit dem Gegenteil zu tun. Der Untreue.
Es gibt positive Treue und auch negative Treue. Das ist eine Treue, die vielleicht auch mal fehl am Platz sein kann. Wo es geboten sein kann, auch mal untreu zu werden.
In Freundschaften, wo ich vielleicht einseitig ausgenutzt werde, vielleicht sogar geschädigt werde. Wenn meine beste Freundin mein bester Freund forever – ständig andere Freunde vorzieht, wenn es gerade passend ist. Da kann es angebracht sein, sich zurück zu ziehen und dem Freund oder der Freundin gegenüber untreu werden.
Ich zeige euch jetzt einmal ein Bild, was irgendwie zwischenmenschlich als Inbegriff für Treue und Bündnis steht. Erkennt ihr, worum es geht? Richtig, um eheliche Treue, das Eheversprechen. Den Ehebund.
Dieser Ehebund spielt auch in der Bibel eine riesige Rolle. Und er ist das eindrücklichste Bild, was Gott uns gibt, für seine Beziehung zwischen ihm und uns Menschen.
Im Neuen Testament wird die Kirche sogar als „Braut Christi“ beschrieben. Die Gemeinschaft der Christen als Braut, jeder von uns also „Braut“ und Jesus der Bräutigam, der sich auf ewig - bis dass der Tod uns scheidet - mit uns treu verloben und verheiraten möchte.
Das Ehebild begegnet uns aber auch schon im Alten Testament und ist eines der Leitbilder für die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Gott umwirbt Israel, um als Einziger an seiner Seite zu stehen (Hos 2,16-23). Gott erinnert sich gerne an Israels Treue der Jugendzeit (Jer 2,2 mit חֶסֶד ḥæsæd) und Liebe der Brautzeit in der Wüste, als Umschreibung für den Exodus, und muss doch immer wieder Israels Treulosigkeit feststellen (vgl. Jer 3,3-20, bes. V. 13.20).
Eine der bewegendsten Geschichten in dieser Hinsicht findet sich im Buch des Propheten Hosea. Hosea lebte im um 700 vor Christus im Nordreich von Israel. Er prangert im Auftrag Gottes den ständigen Ehebundbruch seines Volkes mit Gott an. Wo sie sich fremden, toten Götzen zuwenden und nicht dem lebendigen Gott. Wo sich die Machthaber aus Angst vor Bedeutungsverlust mal diesen, mal jenen anderen Mächten andienen und so falsche Bündnisse eingehen. Und sich nicht mehr Gott und ihn allein verlassen.
Er sagt zu Hosea: nimm dir als Sinnbild für den permanenten Treuebruch meines Volkes eine Hure als Frau. Also ein Frau, die sogar von Ehebruch lebt. Hosea tut es. Und später soll er noch eine zweite ehebrecherische Frau heiraten. Und tut auch dies. Also beides alles andere als eine schöne Liebesheirat.
Drei Kinder werden ihm von der ersten Frau geboren. Und auch mit diesen drei Kindern geschieht etwas Ungewöhnliches. Ihre Namen sollen als Botschaft an Israel dienen: Jesreel – ein Ort, wo Gott einmal endzeitlich die Völker richten wird. Dann „Kein Erbarmen“. Wie Gottes Erbarmen auch einmal eine Grenze hat. Und schliesslich „Nicht mein Volk“. Weil Gott sein Volk so nicht mehr annehmen kann, nicht annehmen möchte.
Gott sagt mit diesem Handlungen Hoseas: „du Israel bist wie Hure. Du bist von Untreue durch und durch wie vergiftet. Du verstösst mich immer wieder auf Neue, indem du fremden Göttern hinterherrennst, wie eine Hure den Freiern und ihrem Geld. Du Israel, bist wie eine Hure, die Untreue sogar zu einem Geschäftsmodell gemacht hat. Und deswegen sollte ich dich eigentlich verstoßen, mich von dir scheiden lassen. Es ist genug.“ Eigentlich…
Es ist ein sehr krasses Bild. Israel als Hure fremder Götter und Mächte. Und doch steckt auch etwas Tröstliches darin, weil Hosea im Auftrag Gottes eben diese Huren ehelicht. Eben ganz bewusst den Ehebund mit den Huren eingeht.
Doch dazu gleich mehr. Lasst uns erst nochmal kurz innehalten, wie das mit Treue und Untreue gegenüber Gott so zu sehen ist und was das vielleicht auch heute noch mit uns zu tun haben könnte.
Nämlich auch wir Christen können uns nicht einfach entspannt zurück lehnen und sagen: „jaja, die bösen, untreuen Israeliten damals. Die alten Götzendiener! Da sind wir ja mittlerweile weiter! Wir sind Gott doch immer treu!“
Ja, und mit Paulus gesprochen würde ich auch sagen: „Der Geist willig.“ Aber unsere unsere Sehnsüchte, unsere Begierden, unsere Gefühle sind häufig so wirkmächtig, dass wir nicht immer dagegen ankommen.
In den Worten des Paulus heisst es: „aber das Fleisch ist schwach. Das Gute, was wir tun könnten, tun wir immer wieder nicht.“ Und er schließt sich ganz bewusst darin ein.
Johannes wird in seinem ersten Brief noch deutlicher. Er schreibt (1 Joh 1,8-9): „Wir betrügen uns selbst, wenn wir behaupten: »Wir haben keine Schuld auf uns geladen!« Dann wirkt die Wahrheit nicht in uns.“
Und wenn wir mal noch kurz darüber nachdenken, wie Götzendienst in moderner Zeit also auch heute noch aussehen kann, wird deutlicher, wie sehr es mit unserer Ehe-Bündnistreue Gott gegenüber bestellt ist. Denn auch heute noch kommen Formen der Untreue, des modernen Götzendienstes vor.
Dies können alles Dinge sein, die ich super finde - meine Hobbys, meine Leidenschaften, meine Zeit. Und wenn diese Dinge immer (mit Betonung auf immer) wichtiger sind als die Beziehung zu Gott zu suchen und zu pflegen, dann gerät etwas zwischen Gott und uns in Schieflage.
Was kann das sein?
Da gibt es den Körperkult - der schöne Körper wird zu einem Objekt der Anbetung. Schlank sein, Muskeln an den richtigen Stellen, gesunde Ernährung, Sport – das kann zu einem Lebensinhalt werden, worum sich mein ganzes Leben dann dreht und ich dem fast alles unterordne.
Und jetzt nenne ich zwei Beispiele, die in extremer Zuspitzung auch zu einem modernen Götzendienst werden können:
Da gibt es den Umweltkult - die Sorge um die Umwelt wird wichtiger als die Beziehungspflege zu dem, der diese Umwelt erschaffen hat, trägt und erhält.
Auch innerhalb unserer Landeskirche. So dreht sich in Gemeinden schnell vieles um das Thema „Klimaneutralität“ und wenn das im Mittelpunkt steht und den Kernauftrag verdrängt, Menschen in die Jesus-Nachfolge einzuladen, dann wird es problematisch.
Klimaschutz und Umwelt sind wichtig und gut. Aber es ist nicht alles und man kann es auch wie vergötzen und sich das Heil der Welt davon versprechen. Und wenn uns das dann eher von Gott wegbringt als ihm nahe, dann laufen Dinge in eine verkehrte Richtung.
Oder es gibt den Sozialkult – wenn die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen, das Sorgen füreinander und umeinander wird wichtiger als die Beziehungspflege mit dem, der der Ursprung aller Menschen ist, um die ich mich kümmere. Da können wir viel Wichtiges und Richtiges und Gutes tun. Aber wenn wir darüber bei aller soziale Beschäftigung Gott vergessen, dann kann dies Untreue gegenüber Gott münden.
Ich zähle noch ein paar Dinge auf, wie sich Untreue gegenüber Gott bemerkbart machen kann:
Dies kann sein, wenn wir nicht mehr andere Menschen in eine Gottesbeziehung einladen möchten. Gott sagt im Missionsauftrag: „gehet hin“ – und wir gehen nicht…
Es kann sein, wenn wir Gott aus irgendwelchen Gründen nicht mehr im persönlichen Gespräch bekennen und sein Handeln in meinem Leben bezeugen möchten. Nach dem Motto: „was könnten denn die anderen von mir denken, wenn sie merken, dass ich Christ bin…?“
Oder wenn und seine guten Gebote irgendwie egal sind und wir meinen, am Besten zu wissen, was für uns gut ist. Ohne ihn.
Oder dies kann sein, dass ich mich gar nicht mehr mit ihm und seinem geschriebenen Wort der Bibel beschäftigen möchte. Das die Bibel bei mir im Bücherregal verstaubt.
Es kann sein, wenn ich es aufgegeben habe, mit Gottes Gegenwart in meinem Leben / in dieser Welt zu rechnen.
Oder, wenn es ich nicht mehr glauben kann, nicht mehr darauf vertraue, dass er mich eben nicht verlassen möchte.
Das kann sein, wenn ich nicht regelmäßig das Gespräch mit ihm suchen möchte. Also beten.
Und mal ganz ehrlich: auch ich als Pfarrer, als Profichrist, komme hier und da in Nachdenken und merke, dass auch ich diverse Baustellen in meinem Leben habe, wo meine Treue Gott gegenüber durchaus Federn gelassen hat.
Wenn jetzt Gott wie wir Menschen wäre, dann wäre Hopfen und Malz verloren. Er hätte schon längst die Ehe aufgekündigt. Weil damals und auch heute – Menschen einfach nicht immer und permanent treu diesem Gott gegenüber sind. Und wenn wir das meinen, dann – ich erinnere nochmal an die Worte des Johannes – lügen wir uns selbst in eigene Tasche. Gott hätte jeden Grund der Welt sein Volk fallen zu lassen. Eigentlich…
Und tut es dennoch nicht. Warum das? Was hält ihn davon ab, sein Volk damals zu verstoßen, sondern weiterhin die Ehe mit dem ehebrecherischen Volk zu suchen und zu halten?
Die Antwort findet sich im Fortgang der Geschichte bei Hosea. Wir hören auf Worte aus Hosea 11(1-4.7-9) und biegen damit auch auf die Zielgrade dieser Predigt ein
„Als Israel jung war, gewann ich es lieb. Aus Ägypten rief ich sie wie ein Vater seinen Sohn. Doch kaum hatte ich sie gerufen, liefen sie von mir davon: Sie brachten Schlachtopfer dar für die Baal-Götter und Räucheropfer für die Götterbilder. Dabei war ich es, der Efraim das Laufen beibrachte. Ich habe das Volk an die Hand genommen. Doch sie wollten von meiner Fürsorge nichts wissen. Ich war zu ihnen wie jemand, der sein Tier schonend am Strick zieht und es leitet. Ich führte sie liebevoll an einem Seil. Ich war zu ihnen wie eine Mutter, die ihren Säugling an die Wangen hebt. Ich beugte mich zu ihm, um ihn zu füttern.
Trotzdem will mein Volk nicht zu mir zurückkehren. Sie rufen noch immer zu Baal. Der aber kann sie nicht wieder aufrichten. Wie könnte ich dich aufgeben, Efraim? Wie könnte ich dich ausliefern, Israel? Sollte ich dich aufgeben wie die Stadt Adma oder so behandeln wie die Stadt Zebojim? Ich bin hin und her gerissen. Mein ganzes Mitleid brennt in meinem Herzen: Ich lasse meinen glühenden Zorn nicht zur Tat werden. Ich werde Efraim nicht noch einmal verderben. Denn ich bin Gott und kein Mensch. Ich bin der Heilige in deiner Mitte. Ich lasse mich nicht vom Zorn hinreißen.“
Was für ein eindrückliches Zeichen seiner Treue und seiner Liebe!
Er sagt: „Ich bin Gott und nicht Mensch. Und ich kann, ich will nicht anders! Ich will die Treue zu meiner Braut halten. Und immer dann, wenn mein Volk, wenn sie zu mir umkehren, zu mir zurück kommen, warte ich auf sie, freue mich und nehme sie wieder neue als meine Braut an. Mein Versprechen gilt.
Mein Herz dreht sich in mir um! All meine Liebe ist entbrannt! Ich kann nicht anders als dir zu verzeihen - ich will den Bund mit dir halten. Koste es, was es wolle. Und sei es sogar mein Leben.“
Das mit dem Leben hat Gott damals bei Hosea so nicht gesagt.
Aber so geht die Geschichte mit seinem Volk und bis heute weiter: dass Gott selbst kommt und heilt den Beziehungsschaden. Aus Liebe. Durch Jesus und sein Sterben für uns und unsere Untreue.
Jesus sagt: „so sehr hat Gott die Welt – also uns Menschen -geliebt, dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern in ewiger Gemeinschaft. – im ewigen Treuebund – leben können.“ Auch über unseren Tod hinaus.
Und Gott bietet auch heute immer noch diesen Treuebund, diesem Ehebund an. Sein Treueversprechen bleibt.
Und wir dürfen auch heute wieder darauf reagieren, darauf antworten. Antworten auf seine Treue-Frage: „willst auch du…?“
Und diese erneute Hinwendung zur Gottestreue beginnt damit, uns einzugestehen, dass wir von uns aus die Treue gar nicht immer halten können. So sehr wir es auch wollen.
Und dann gilt, was Johannes im Fortgang unseres Verses vorhin auch sagt: „Wenn wir aber unsere Schuld eingestehen, ist Gott treu und gerecht: Er vergibt uns die Schuld und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben.“
Sei Ja steht schon vor unseren Ja. Aber unser Ja ist auch wichtig. Als Antwort auf sein Treueversprechen. Auch unser „Ich will“.
Ich lade dazu ein, dass symbolisch Gott unsere Treue zu bekennen und vielleicht wieder ganz neue Dinge in unserem Leben als Erweis unserer Treue anzugehen.
Am Eingang hat jeder von euch eine Treuepunkt erhalten. Jetzt geht es nicht darum, immer mehr davon zu sammeln, sondern diesen Treuepunkt im übertragenen Sinn Gott zu schenken, indem ihr ihn hier vorne an den Altarstufen vor dem Kreuz in das Körbchen legt. Ihm gewissermaßen ganz neu deine Treue zu ihm bekennen und versprechen kannst.
Gott zu bekennen: dir will ich wieder treu sein.
Mich dir wieder ganz neu zuwenden.
Mich zu dir vor den Menschen bekennen
In deinem Wort, der Bibel lesen
Mehr mit deiner Gegenwart in meinem Leben / in dieser Welt rechnen.
„Vertrauen“, dass du mich eben nicht verlassen möchtest.
Regelmässiger das Gespräch mit dir suchen
Die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen
Was es auch sei, worin du Gott deine Treue wieder ganz neu versprechen möchtest…
Und dann zu merken, dass du doch auch wieder davon profitierst und deine Treue belohnt wird:
mit seiner Nähe,
seiner Gegenwart in deinem Leben,
mit seinem Frieden,
seinem Zuspruch und seiner Ermutigung.
Amen.