Himmelwärts in der Petruskirche Steinen

- 09.11.2024 - 

Bist Du noch bei Trost? - Was wirklich tröstet...

Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
 
Predigt: Bist Du noch bei Trost? - Was wirklich tröstet...
(2. Korinther 1, 3 - 11​)
 
Lieder:
  • Gott vergisst seine Kinder (nie) CCLI-Nr.: 4954288
  • NL+ 152: Wohin sonst (Herr, wohin sonst sollten wir gehen) CCLI-Nr.: 4681159
  • NL+ 8: Unser Vater (Bist zu uns wie ein Vater) CCLI-Nr.: 4334523
  • FJ2 50: Wonderful, Merciful Savior CCLI-Nr.: 106879
  • FJ3 238: Der Herr segne dich, behüte dich CCLI-Nr.: 4690683
CCLi Liedlizenz 5100265

Predigt zu 2. Korinther 1, 3-7: „Bist du noch bei Trost?“

Himmelwärtsgottesdienst
(9. November2024, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Es gibt Trost. Und es gibt VERtröstungen. Das haben wir gerade im Theaterstück.
 
Was waren – oder sind – solche Vertröstungen?
„ist schon nicht so schlimm“
„das wird schon wieder“
„da muss eben jeder durch“
„nur die Harten kommen in den Garten“
„Kopf hoch“
„das kenne ich auch - und habe es überlebt“
„nach Regen kommt wieder Sonnenschein“
 
Irgendwie steckt da natürlich auch ein Fünkchen Wahrheit drin. Klar, kommt nach Regen Sonnenschein. Doch tröstet so ein Spruch in einer traurigen Situation? Was kann wirklich trösten? Was gibt echten Trost?
 
Und ich sage: so, wie du dich ermutigt und getröstet fühlst, kannst du auch andere ermutigen und trösten.
 
Was bedeutet das? Wie komme ich dahin, dass ich mich wirklich getröstet und ermutigt fühle?
Wer hat eigentlich Trost nötig? Was sind so Situationen, in denen wir Trost Ermutigung brauchen? Hier mal paar Sachen in Auswahl:
Ein Todesfall in der Familie oder Freundeskreis. Das kann einen schon ziemlich durchrütteln und schütteln. Diese Woche hatte ich drei Trauergespräche. Nächste Woche noch ein Gespräch und drei Beerdigungen. Da ist man unmittelbar mit teils sehr schwierigen Situationen konfrontiert. Was tröstet und ermutigt?
 
Oder Beziehungsprobleme: der Freund oder die Freundin machen Schluss. Der Ehepartner geht fremd. Eine Scheidung steht an. Das sind Situationen, die Menschen in tiefe seelische Nöte bringen können. Und teilweise zieht sich so was dann über Jahre. Und die Kraft und der Lebensmut drohen auf der Strecke zu bleiben.
 
Oder bei Krankheit und oder Unfällen: eigener oder der von nahen Menschen. Wenn diese scheinbar nicht mehr auf die Reihe kommt. Wenn die OP nicht so verläuft, wie man es sich erhoffte. Und es dann direkt vom Krankenhaus in die Reha und dann ins Pflegeheim geht. Weil es zu Hause einfach nicht mehr geht. Trostlosigkeit. Entmutigung können sich dann breit machen.
 
Oder Einsamkeit: wenn wir uns so verbindliche Freundschaften wünschen und wir trotz verschiedener Versuche keinen Anschluss bekommen. Keiner da, der einen mal in den Arm nimmt, tröstet. Und wir die Abende, Wochenenden und die Feiertage meist allein zubringen. Das kann schmerzen. Motivation lähmen. Enttäuschen. Verbittern.
 
Oder wir erleben Verletzungen. Nicht bei einem Unfall, aber Verletzungen der Seele. Wo andere uns weh tun. Uns runternachen. Uns mobben. Uns Lächerlich vor anderen machen. Wie uns andere Menschen tief enttäuschen. Wir traurig sind. Und wir unseren Lebensmut verlieren und uns am liebsten in unseren vier Wänden zurückziehen möchten und ja keinen sehen und hören möchten-
 
Oder es gibt auch eigene Schuld, die uns entmutigen kann. Uns fertig macht. Schuld gegenüber Gott. Wo wir merken: ich habe es doch schon so oft versucht, aber immer wieder schaffe ich es nicht ein gottgefälliges Leben zu führen. Stolpere über immer gleiche Dinge. Mache den Mist, den ich eigentlich aufhören möchte.
 
Oder auch Schuld gegenüber anderen Menschen. Wo wir anderen weh tun, andere verletzen. Bewusst, aber auch unbewusst, wenn wir einfach wie ein Elefant im Porzellanladen achtlos mit dem Gefühlen anderer umgehen. Und nur VERtrösten. Als wirklich zu trösten. Wie vorhin im Theaterstück.
 
Wie fühlst du dich in solchen Situationen? Wie fühlt es sich an, wenn man trostbedürftig ist? In der Vorbereitung des GoDis kamen wir auf folgendes:
 
Wir fühlen uns leer. Sind nicht mehr in der Lage überhaupt einen Gedanken zu denken. Schon gar nicht einen guten.
Alleine gelassen. Wenn nur falscher Trost kommt. Wir uns nicht verstanden fühlen.
Wir fühlen uns überfordert. Alles wird uns dann zuviel. Wir sind wie blockiert, bekommen nichts mehr auf die Reihe.
Wir fühlen uns zerrissen. Als ob ein Teil von uns verloren gegangen ist.
Wir fühlen uns hilflos. Der Situation ausgeliefert. Wir sind deprimiert.
Alles ist nur noch grau. Wir sehen das Bunte und Schöne nicht mehr.
Hoffnungslosigkeit macht sich breit. „Das wird doch nie mehr was – nicht bei mir!“ hören wir uns dann vielleicht sagen.
Wir fühlen uns machtlos. Wir können nichts an der Situation ändern. Uns sind die Hände gebunden.
Oder wir fühlen vielleicht auch wertlos. Keiner braucht uns. Wer bin ich denn schon in den Augen anderer?
 
Und immer, wenn es dir oder mir so geht, dann ist da einer, der sich richtig darüber freut. Sich die Hände reibt und sagt: „ha, habe ich es wieder geschafft! Hat voll geklappt!“ Das ist der Teufel. Der Widersacher Gottes. Trostlosigkeit, Mutlosigkeit ist eine der Wirkungen des Teufeln. Er möchte dich und mich runtermachen. Er möchte uns in die Verzweiflung und Not führen. Er baut nicht auf, sondern er zerstört: Gefühle, Hoffnungen, Lebensperspektiven, Freude und anderes.
Luther hat einmal sinngemäss gesagt:  Spaß und Freude sind nichts für den Teufel. Er möchte uns nur in die Tiefe und Verzweiflung führen.
Und wir müssen dann mit Spass und Freude gegen den Teufel bewusst anstinken.
 
Jetzt frage ich euch mal: Was kann froh machen / ermutigen / trösten? Was hilft das bei dir oder hat schon mal geholfen?
Durch wen oder was kann es wieder hell werden im Grau der Trostlosigkeit? Tauscht euch doch mal kurz mit eurem Sitznachbarn darüber aus.
 
Später gibt es auch während des Musikteils nach der Predigt die Möglichkeit eure „Tipps und Tricks“ auf Kärtchen aufzuschreiben und an die Pinnwand zu heften. Sodass dann daraus eine Wand der Ermutigung und des Trostes wird.
 
Jetzt schauen wir uns uns mal eine Person aus der Bibel an. Paulus.
 
Paulus: war ständig entmutigenden Situationen ausgesetzt. In der Apostelgeschichte lesen wir davon, oder er selbst in schreibt in seinen Briefen darüber.
 
Da erleidet er Verfolgung. Von Juden, die Mühe mit seiner Botschaft haben und ihn am liebsten tot gesehen hätten. Verschiedentlich muss er in einer Nacht- und Nebelaktion fliehen.
Manchmal haben sie ihn erwischt und berstraft. Er würde ausgepeitscht. Zu meheren Gelegenheiten sogar.
 
Einmal haben sie fast zu Tode Steinigung. Nur durch ein Wunder überlebte er.
 
Er erlitt Schiffbruch, trieb im Wasser und wusste nicht, ob er wider lebend ans Land kommt.
 
Er erlitt immer wieder Enttäuschungen: duch Gemeindeglieder in Gemeinden, die gegründet hatte, oder auch durch enge Mitstreiter. Die sich gegen wandten. Abwandten. Enttäuschten.
 
Und dennoch: die Umstände, der Teufel bekamen ihn nicht klein.
 
Was war sein Geheimnis? Was war seine „Superkraft“?
 
Was hat sein Herz immer wieder froh gemacht, dass es in seinen Gedanken wieder bunt wurde? Er sich getröstet und ermutigt gefühlt hat? So wie dieses bunte Herz?
 
Wir lesen davon im 2. Brief an die Korinther. Kapitel 1, 3-11.
 
Was schreibt Paulus da?
 
2 Korinther 1,3-7
„Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen. Genauso nämlich, wie wir in ganz besonderem Maß an den Leiden von Christus teilhaben, erleben wir durch Christus auch Trost und Ermutigung in ganz besonderem Maß. Wenn wir also Nöte durchmachen, geschieht das, damit ihr die mutmachende und rettende Kraft Gottes erlebt. Und wenn wir getröstet und ermutigt werden, bedeutet das auch für euch Trost und Ermutigung; es hilft euch, standhaft die gleichen Leiden zu ertragen wie wir.“
 
Paulus sagt: Trost ist eine Wirkung Gottes.
Gott ist ein Gott des Trostes und der Ermutigung! D.h. Gott ist ein Gott der Ermutigung, er will uns nicht runterziehen, fertig machen.
 
Ermutigung und Trost. Man Kann das griechische Wort im Urtext so oder so übersetzen. Das Wort ist παράκλησις (Paraklesis). Also Paraklesis, Ermutigung, Trost kommt von Gott.
 
Gott ist also der Paraklet. Jetzt klingelt es vielleicht bei dem ein oder anderen. Vom Parakleten spricht ja Jesus. Er wird den Parakleten senden an seiner Stelle, wenn er einmal nicht mehr persönlich da ist.
 
Dieser Paraklet ist der Heilige Geist, von dem Jesus redet. Also Jesus Christus, der in der Gestalt, in den Auswirkungen des Heiligen Geistes auch heute noch wirkt und handelt. Auch hier in Steinen, hier im Gottesdienst!
 
Er möchte auch dein Leben froh und hell machen!
 
Jesus sagt in Johannes 8, 12: „Ich bin das Licht der Welt - wer mir nachfolgt wird nicht mehr in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.“ Jesus ist der „Erheller“ und Ermutiger!
 
Ein geistlicher Mitstreiter des Paulus, nämlich Jakobus, hat es von wegen Licht und Gott mal so formuliert (Jakobus 1, 17 (HfA)): „Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.“
Es geht beim Thema Trost und Ermutigung vor allem um geistliche Ermutigung. Nach Jesus, nach Paulus und nach Jakobus.
 
Das es in uns wieder hell wird, vom Vater des Lichts, von Jesus, vom Heiligen Geist.
 
Lasst und abschliessend noch ein paar „geist“liche Ermutigungen“ betrachten:
 
Paulus erkannte: Christus hat auch gelitten. Auch Christus hatte kein einfaches Leben. Und Leben in der Nachfolge Jesu Christi kann auch heissen, dass es mal schwierig wird. So wie es eben auch bei Jesus war. Dass es dann darum geht, ihn auch im Schwierigen nachzuahmen. Sich so mit den Leiden Christi eins zu machen. Eins zu werden mit Christus. Auch im Schmerz und Leid. Und so ganz eng mit ihm verbunden zu werden.
 
Ein für heute sehr unangenehmer Gedanke. Wir wollen lieber Jesus in seinen Siegen nachfolgen. In seinen Erfolgen. Aber nicht in seinem Scheitern. Aber die Bibel ist hier klar: beides kommt im Leben eines Christen vor. Und in beidem können wir uns dann ganz eng mit Christus verbunden fühlen. In Leiden. Wie in der Freude.
 
Für Paulus war das einer großen Ermutigungspunkte: Christus hat auch gelitten. So konnte er das Leid besser ertragen, sich sogar darin ganz eng mit ihm verbunden fühlen und daraus Ermutigung und Trost beziehen. Das Leid kann so für Paulus einen tieferen geistlichen Sinn ergeben. Aber wie gesagt: ein für heute sehr herausfordernder Gedanke!
 
Viel einfacher lässt sich Trost und Ermutigung durch die drei folgenden Dinge finden:
 
Da ist das Lesen in der Bibel. Im Wort Gottes. Heute ging es mit so im Lesen des Psalms Ps 103. Ich habe den Psalm laut gesprochen: „Lobe den Herrn meine Seele…“ Und im Aussprechen der Worte der Bibel bewirkte der Heilige Geist in mir ein Freunde und Ermutigung. Das war eine sehr coole Erfahrung!
Es stimmt: Gott Loben und Danken sind gute Wege, zu Trost und Ermutigung zu finden.
Der Spruch stimmt: „Danken schützt vor Wanken, Loben steigt nach oben“.
 
Wir können beten und uns dadurch ermutigen lassen.
 
Da können wir singend beten. Das machen wir im Gottesdienst immer wieder. Auch nachher. Dass wir uns den Zuspruch Gottes, seine Ermutigung im Lied erbitten. Oder auch sonst, wenn wir „geist“liche Lieder singen. Auch bei unseren Spaziergängen oder in den eigenen vier Wänden, oder im Auto. Ich habe da so etliche Lieder, die mir bei meine Spaziergängen immer wieder so kommen. Und die ich dann anstimme und wo ich innerlich ermutigt und gestärkt werde.
 
Du kannst Gott deine Entmutigung auch in Gedanken oder ausgesprochenen Worten bringen. Ihm die Dinge seufzen, klagen.
 
Oder du kannst auch für dich beten lassen, dasss andere dir den Segen, den Mut Gottes zusprechen. Das wird nachher in der Musikzeit auch wieder möglich sein. Hinten neben dem Eingang stehen dann Beter bereit, die für dich und deine Anliegen gerne beten.
 
Oder du kannst selbst für andere beten, sie segnen, ihnen von Gott her Gutes zusprechen
 
Wir werden das nacher zum Abschluss des Gottesdienst machen. Dass wir uns einen Segenswunsch jeweils untereinander weitergeben. Doch dazu dann später mehr, wie wir das dann machen.
 
Und das hat dann auch mit dem letzten Ermutigungspunkt zu tun: Suche die Gemeinschaft mit anderen Christen.
 
Es tut gut, in Gottesdiensten, in Gemeindegruppen, in Hauskreise und Kleingruppen zu gehen, sich mit anderen zusammen zu engagieren. Du kannst dort, wenn das Vertrauensverhältnis gewachsen ist, dich über deine Herausforderungen im Leben austauschen, dir Mut zusprechen lassen. Für dich beten lassen. Oder dass Menschen auch im wahrsten Sinn des Wortes mit dir auf dem Weg sind, dich begleiten bei schwierigen Dingen.
Mut und Ermutigung, Trost durch Glaubensgeschwister.
 
Nicht einsam als Solochrist durchs Leben gehen. Sondern miteinander. Das ist ein riesiger „geist“licher Ermutigungspunkt, diese Gemeinschaft mit Christen.
 
Paulus hat all diese Ermutigungspunkte gelebt und erlebt. Und das half ihm persönlich, mutig und getröstet durch Leben zu gehen und andere zu ermutigen und zu trösten.
 
Und genau das wünsche ich dir, wünschen ich uns allen:
 
Lass dich durch Gott und andere Glaubensgeschwister ermutigen und trösten - und werde so zum Ermutiger und Tröster in deinem Umfeld! Zur Ehre Gottes!
 
Damit noch viele ein frohes Herz bekommen und Gott im Himmel dankbar sind! Und ihm die Ehre hierfür geben!
 
Amen.