Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
mit Pfr. Ingo Meißner
Predigt: Taufe: Gültig für immer?
(Römer 6, 3 - 8, Galater 3, 26 - 27)
(Römer 6, 3 - 8, Galater 3, 26 - 27)
Lieder:
- EG 17: Wir sagen euch an den lieben Advent
- EG 13: Tochter Zion, freue dich CCLI-Nr.: 4339384
- FJ5 144: Das glaube ich (Ich glaube an den Vater) CCLI-Nr.: 7024191
- FJ2 45: Jesus, dein Licht (Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf) CCLI-Nr.: 5171424
- FJ5 232: Gott segne dich (Ich wünsch dir Gottes Segen) CCLI-Nr.: 5947469
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu Römer 6, 3-8: „Taufe: gültig für immer?“
Himmelwärtsgottesdienst
(7. Dezember 2024, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Es ist dunkel. Der Sturm tobt draussen um die kalten Burgmauern. Der querstehende Regen schafft es fast durch die engen und schlecht abgedichteten Fensterluken auch in die Zimmer.
In der Burg ist ansonsten bis auf die Wachen auf den Zinnen alles am Schlafen. Bis auf das eine Zimmer, hoch oben im Burgturm. Da scheint noch Licht.
Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch, der mit Büchern und Blättern und Schreibmaterial übersäht ist. Er greift sich verzweifelt in sein Haar, rauft es sich, bringt es durcheinander. Dann hält es ihn nicht mehr am Platz, er läuft aufgeregt umher und klagt und schreit.
«Weiche von mir du Teufel der Depression! Du willst mich niedermachen! Du willst mich an meinem Auftrag den ich von Gott erhalten habe, zweifeln machen.
Du willst mich unsicher machen, dasss Gott wirklich auf meiner Seite steht, ich sein Kind bin.
Unsicher machen, dass er mich liebt. Eine Liebe und Gnade, die gültig ist, wenn wir nur glauben.
Weiche von mir du Teufel mit deinen schlechten Gedanken, die mich nur tiefer in die Verzweiflung führen möchten.
Du wirst mich nicht in die Knie zwingen. Du nicht!
Nimm das du Teufel! Ich bin getauft!»
Und er nahm das Tintenfass vom Tisch und warf in Richtung des Teufels, der im Zimmer zu sein schien. Der Teufel verschwand.
Und Ruhe kehrte anschliessend wieder langsam beim Mann im Turm ein.
Und bis weit nach dieser Zeit konnte man den Fleck noch sehen und wurde von Menschen ehrfürchtig bestaunt.
Heute ist er nicht mehr zu sehen. Die Studierstube im Burgturm kann man aber immer noch bestaunen. Es ist die Wartburg in Eisenach.
Und der, der im Studierzimmer das Tintenfass warf und rief «Ich bin getauft» war der Reformator Martin Luther.
Immer, wenn Luther das Gefühl hatte: der Teufel versucht ihn zu versuchen, ihn durch dies oder das runterzuziehen.
Immer dann hat Luther zwar nicht mit Tinte um sich geworfen, aber sich einen kurzen lateinischen Satz aufgeschrieben: baptizatus sum. Auf Deutsch: Ich bin getauft.
Wenn ihn Angst oder Schwermut überfiel: baptizatus sum.
Wenn er sich vom Teufel und Dämonen verfolgt fühlte: baptizatus sum – ich bin getauft.
„Ich bin getauft.“ Luther haben diese Worte getröstet und ihm Kraft gegeben.
Weil er sich dadurch bewusst machte, was ihm damals als Säugling in der Taufe zugesprochen wurde. Nämlich:
„Ich bin ein Kind Gottes. Er ist mit mir im Bunde. Ich stehe in Verbindung mit ihm.“
Er merkte dann: „Der Teufel hat also kein Anrecht auf mich und er muss deswegen mit all seinen negativen Gedanken, Gedanken der Depression, des Selbstzweifels abhauen!“
Die Taufe und was damit den Menschen zugesprochen wird, hatte für Luther eine enorme Bedeutung.
Seine Taufe als Säugling schaffte für Luther eine Realität, die wirksam ist, auch wenn der Glaube das erst später fassen, erst später verstehen kann, was das alles bedeutet.
Die Taufe, auch wenn der Täufling noch nicht glauben kann, hat Auswirkungen in der unsichtbar geistlichen Welt. Und damit auch Auswirkungen in der sichtbaren Welt.
Die Taufe ist also nicht nur ein Symbol ein Zeichen, das auf etwas deutet. Das erst Wirklichkeit wird, wenn wir es im Glauben annehmen. In der Taufe passiert wirklich etwas, wenn heute wie damals Menschen getauft wurden und werden.
Der Zuspruch, den Gott uns darin macht, hat einen Wert, der auch dann Bestand hat, wenn uns der Glaube fehlt, wir von Selbstzweifel zernagt sind.
Wenn uns der Glaube an den guten und liebenden Vater irgendwie abhanden gekommen ist, oder er nur noch so klein ist, dass er manchmal noch unter dem flachsten Teppich locker erhobenen Hauptes durchpasst ohne ein Beule zu produzieren.
In der Taufe ist es so, wie mit einem Wasserzeichen in einem Papier. Wie hier in dem alten Beispiel aus dem frühen 15. Jhdt.
Das Zeichen Christi, das Kreuz, als Wasserzeichen im Papier.
In Bezug auf die Taufe meint das Bild vom Wasserzeichen: Jesu Wesensart, die Gemeinschaft mit ihm, sein Vergebungszuspruch, der allen Menschen, ist unser Leben durch die Taufe eingeprägt - wie ein Wasserzeichen in einem Blatt Papier.
Jesus Christus wird dadurch der Grundton unseres Lebens. Ob wir es glauben wollen oder können, oder auch nicht.
Jetzt kann man vielleicht sagen: „aber der Glaube an Jesus macht es doch – die Bibel ist voll davon, was uns durch den aktiv gelebten und bekannten Glauben an Jesus Christus alles zugesprochen ist! Das ist doch nicht die Taufe, die das alles macht!“
Lasst uns jetzt mal die Bibel schauen, was uns durch die Taufe zugesprochen ist.
Wir hören auf die Worte von Paulus an die Christen in Römer 6 Kapitel, die Verse 3-8:
«Ihr wisst doch: Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind einbezogen worden in seinen Tod.
Und weil wir bei der Taufe in seinen Tod mit einbezogen wurden, sind wir auch mit ihm begraben worden.
Aber Christus wurde durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt. So werden auch wir ein neues Leben führen.
Denn wenn wir ihm im Tod gleich geworden sind, werden wir es auch in der Auferstehung sein.
Wir wissen doch:
Der alte Mensch, der wir früher waren, ist mit Christus am Kreuz gestorben. Dadurch wurde der Leib vernichtet, der im Dienst der Sünde stand. Jetzt sind wir ihr nicht mehr unterworfen.
Wer gestorben ist, auf den hat die Sünde keinen Anspruch mehr.
Wir sind nun also mit Christus gestorben.
Darum glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.»
Spannend, was mit der Taufe alles deutlich wird – oder? Beschrieben wird hier die frühe und bis in Mittelalter verbreitete Taufpraxis, dass Menschen ganz untergetaucht wurden.
Der alte Mensch stirbt, wird gewissermassen ertränkt, steigt dann wieder aus dem Wassergrab empor. Neu, reingewaschen. Auch von Sünde, von allem, was uns von Gott trennt.
Eins mit Christus. In enger Gemeinschaft mit ihm. Und so, wie Christus gestorben und auferstanden ist, vollziehen wir dies in der Taufe nach.
Es wird uns zugesprochen, dass es auch für uns gilt.
Wir bekommen durch Anteilnehmen an Christi Tod auch Anteil an seiner Auferstehung.
Das Nachvollziehen von Jesus Sterben und Auferstehung ist übrigens der Grund dafür, warum im Leben des Menschen auch nur eine Taufe nötig ist und man sich nicht mehrfach taufen lassen sollte es nötig ist. Man kann nur einmal sterben. Punkt.
Und selbst, wenn unser Glaube flöten geht, gilt das was uns in der Taufe zugesprochen wurde, dennoch weiterhin.
Das Wasserzeichen des Kreuzes ist in unser Lebensblatt eingeprägt.
Und wir können es später dann im Glauben immer wieder neu für uns in Anspruch nehmen. Das werden wir nachher uns auch in Form einer Tauferinnerung wieder ganz spürbar deutlich machen.
Vier Dinge passieren mindestens in der Taufe:
Christus wird ein Teil unseres Lebens. Wir kommen in Gemeinschaft mit ihm. Und nicht nur mit ihm. Sondern werden auch Teil der großen Gemeinschaft der Kinder Gottes, der Christen weltweit.
Im Galaterbrief schreibt Paulus davon, dass wir uns Christus gewissermassen in der Taufe anziehen, wie ein Kleid.
Gal 3,27 „Denn ihr alle habt in der Taufe Christus angezogen.
Und durch sie gehört ihr nun zu ihm.»
Oder an anderer Stelle, im Brief an die Korinther, schreibt er davon, dass wir durch einen Geist alle zu einem Leib getauft sind, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. (1 Kor 12,13)
Also die Gemeinschaft der Gläubigen und sogar der Zuspruch der Heiligen Geistes durch die Taufe. Dass wir mit ihm getränkt werden, wie ein trockener Schwamm mit Wasser.
Weiter: wir erleben eine Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist und damit auch Zuteilwerdung seiner Gaben.
Wir bekommen Anteil an Christus. Und so gewiss wie Christus gestorben und auferstanden ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass das auch für uns einmal gelten wird. Es ist diese Ewigkeitsperspektive.
Aber auch jetzt schon. Durch die Taufe findet eine Neugeburt statt.
„Geboren aus Wasser und Geist“ sagt Jesus im Johannesbrief. Eine Neugeburt findet statt. Im Brief an Titus greift Paulus diesen Gedanken wieder auf (Titus 3,5-7):
„Wir selbst hatten ja keine Taten vollbracht,
mit denen wir uns rechtfertigen konnten.
Aber er hat uns seine Barmherzigkeit geschenkt
und uns gerettet.
Aus dem Bad der Taufe werden wir neu geboren
und erhalten durch den Heiligen Geist das neue Leben.
Den hat Gott in reichem Maß über uns ausgegossen
durch Jesus Christus, unseren Retter.
Durch diese Gnade
werden wir von Gott als gerecht angenommen.
Und damit werden wir zu Erben des ewigen Lebens,
so wie es unserer Hoffnung entspricht.“
Weiter: Wir haben Vergebung und Reinigung von den Sünden
Paulus predigt in Jerusalem ganz zu Anfang der Jesus-Bewegung (Apg 2,38):
Ȁndert euer Leben!
Lasst euch alle taufen im Namen von Jesus Christus.
Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch den Heiligen Geist schenken.“
Reinigung von Sünden. Durch das „Wasserbad im Wort“, wie Paulus später schreibt (Eph. 5,26).
Oder eben wie in Römer 6 beschrieben: denn gleichwie wir auf den Tod Christi getauft werden, so sterben wir auch der Sünde ab (Rm. 6,7).
Und als viertes: wir haben Rettung aus dem Strafgericht Gottes und Zusage des Gottesreichs.
So wie Noah vor dem Gericht Gottes an den Menschen durchs Wasser hindurch gerettet wurde, genauso wird auch jeder einzelne bei dem Herauskommen aus dem Taufwasser der Rettung vor dem letzten Gottesgericht versichert. So Apostel Petrus in seinem 1. Brief, Kap 3,20.
Also: Nicht umsonst sagt Jesus, dass möglichst alle Menschen getauft werden sollen und als seine Nachfolger unterwiesen und geschult werden.
Aber klar ist auch: Glaube und Taufe gehören zusammen.
Lasst uns nochmal auf Paulus in Gal 3 hören (26-27):
„Ihr seid alle Kinder Gottes, weil ihr durch den Glauben
mit Christus Jesus verbunden seid.
Denn ihr alle habt in der Taufe Christus angezogen.
Und durch sie gehört ihr nun zu ihm.“
Und ohne jetzt alle Stellen im Einzelnen durchzugehen, kann ich euch sagen: das, was der Taufe an Wirkung zugesprochen wird, wird genauso auch dem Glauben zugesprochen.
Sowohl als auch. Nicht ein entweder oder.
Beides gehört zusammen, beides bringt uns in Gemeinschaft mit Gott (Eph. 3,17)
Auch was den Anteil an Tod und Auferstehung betrifft (Gal 2,20; 5,24; Kol. 2,12),
die Vergebung und Reinigung der Sünden (1. Joh. 1,9), die Geistesgabe (Gal. 3,2.14), die Erneuerung durch Christus (Joh. 1,12f.) und die Verheissung auf ein Leben im Gottesreich (Joh. 20,31).
Jesus, Paulus und Co. haben hier nicht neuzeitlich in „entweder-oder-Kategorien“ gedacht. Und unser Verstand kann hier schon einmal einen Knoten in den Kopf bekommen.
Beides gilt.
Doch heute reden wir über Taufe im Speziellen und vielleicht ist vieles für euch heute neu, habt es zum ersten Mal so gehört.
Und doch gelten für die Taufe die gleichen Zusagen, wie es für den Glauben an Gott gilt.
Die Taufe ist also nicht erst etwas durch den Glauben, der dazu kommt, sondern ist so etwas wie ein Grundwert, wie ein Wasserzeichen, in unser Leben eingezeichnet.
Unabhängig, ob wir uns nun danach fühlen oder nicht.
Die Taufe muss deswegen auch nicht wiederholt werden, sondern hat immer Gültigkeit.
Ich spreche jetzt mal im Bild eines Computerspiels.
Die Taufe ist gewissermassen der Basislevel im Spiel des Lebens. Und es ist super, wenn Menschen sich taufen lassen.
Der Basislevel ist: Versprechen der Gemeinschaft mit Christus, Sündenvergebung. Gott ist mit mir, möchte mit mir sein.
Und Gott möchte dich in seiner Gemeinschaft, seiner „Mannschaft“ spielen lassen. Unter dem guten Trainer Jesus.
Jeder darf mitspielen, der getauft ist. Keine muss auf der Ersatzbank bleiben.
Doch, ja klar, es braucht auch eine Reaktion auf die Ansprache Gottes. Das Wasserzeichen bleibt unsichtbar, wenn wir es nicht zum Leuchten bringen wollen. Wenn wir Gottes großes Mitspielangebot ausschlagen.
Der Glaube ist es dann, der die Antwort auf die große Verheissungen der Taufe ist. Ohne den geht es nicht. Der Glaube ist so gewissermassen, das, was dann den nächsten Spiellevel freischaltet.
Freischalten eines bewussten Lebens mit Gott. Freischalten der ganzen Verheissungen Gottes, seiner Gaben
Freischalten eines Lebens mit Gott, Freischalten seines Beistands, seines Trost, seines Muts, seines Friedens und seiner Zuversicht auch in schwierigen Zeiten geben möchte.
So ist Taufe beides zugleich: Gabe und Aufgabe. Die Aufgabe ein Leben führen zu wollen, dass deiner Gemeinschaft mit Gott entspricht.
Taufe ist wie das Wasserzeichen Christi in deinem Lebens-Papier.
Lass deine in dich eingeprägte Gemeinschaft mit Gott in deinem Leben durchscheinen! Aktiviere es durch den Glauben, die Antwort an Gott: ja, ich will all das für mich annehmen!
Und lass dein Wasserzeichen auch für andere leuchten:
Durch Jesus das Licht der Welt in Kraft des Heiligen Geistes.
Amen.