Himmelwärts in der Petruskirche Steinen

- 07.06.2025 - 

Dankbarkeit

 
Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
 
Predigt: Dankbarkeit
(Lukas 17, 11 - 19)
 
Lieder:
  • NL+ 113: Danke (für die Sonne) CCLI-Nr.: 5668731
  • SgidH 1: All die Fülle ist in dir CCLI-Nr.: 4336851
  • FJ2 91: Ich verdanke dir so viel, mein Gott CCLI-Nr.: 4329112
  • FJ2 80: Hab Dank von Herzen, Herr CCLI-Nr.: 5161317
  • NL+ 221: Wo ich auch stehe CCLI-Nr.: 4330228
  • FJ6 219: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265

Predigt zu Lukas 17, 11 - 19 „Dankbarkeit“

Himmelwärtsgottesdienst
(7. Juni 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Dankbarkeit und Loben sind nicht gerade eine deutsche Tugend, also eine gute Eigenschaft. Oder?
Viel besser sind wir häufig darin, das Haar in der Suppe zu suchen und finden. Und gar nicht zu sehen, wie gut es uns eigentlich geht.
So wie bei Uwe im Theaterstück, der am Männerschnupfen leidet, sich schrecklich leid tut und gar nicht sieht, wie gut er es mit Petra eigentlich hat. Und dann auch überhaupt nicht dankbar sein kann. Und sogar dies und jenes noch besser weiss… 
 
Überhaupt mit Danken ist das so eine Sache: Viel leichter ist es häufig, sich leid zu tun. Oder sich aufzuregen, oder sich zu beschweren. Oder sogar wütend zu sein. 
 
Wie geht es dir so beim Thema «Dankbarkeit»? Wann hast du zum letzten Mal von Herzen einer Person «Dankeschön» gesagt? Deiner Frau, deinem Mann, deinen Kindern, deinen Freundinnen oder Freunden, an der Einkaufskasse, auf der Strasse usw.
Wie leicht fällt es dir insgesamt «Danke» sagen? Oder dankbar durchs Leben zu gehen? Oder müssen sich die Menschen ihren Dank von dir erst mühsam verdienen?
 
Aber vielleicht bist du aber auch der umgekehrte Typ Mensch, der damit überhaupt keine Probleme hat. Der ständig und überall dankbar sein kann und sich darüber wundert, wie das bei anderen Personen so anders sein kann. Dann sei dankbar darüber, dass du so ganz natürlich dankbar sein kannst. Das ist keine Selbstverständlichkeit!
 
Jetzt wechseln wir mal die Perspektive: wie dankbar begegnen dir Menschen?
Wann hast du zuletzt von einer Person ein herzliches Dankeschön bekommen? Für das, was du Gutes getan hast, wo du dich angestrengt hast, jemanden geholfen?  Oder erlebst du eher, dass deine Leute um dich herum – Familie, Freunde oder Kollegen_- es als selbstverständlich empfinden, dass du was machst. Dass du da bist. Dass es dich gibt? Und du hast deswegen selten, oder vielleicht auch noch nie ein herzliches «Dankeschön», oder auch «Schön, dass es dich gibt» gehört?
 
Jesus hat auch mal so sehr gemischte Erfahrungen mit dem Thema «Dankbarkeit» gemacht. Nicht dass er auf Dank oder Dankbarkeit angewiesen ist. Aber es fiel ihm einfach so auf, wie unterschiedlich Menschen mit dem Thema Dankbarkeit umgehen. Und diese Geschichte findet sich im Lukasevangelium, Kapitel 17, Verse 11-19. Dort heisst es: Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus auch durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
Er kam in ein Dorf. Dort begegneten ihm zehn Männer, die an Aussatz erkrankt waren. Sie blieben in einiger Entfernung stehen und riefen laut: »Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!« Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: »Geht und zeigt euch den Priestern!« Noch während sie unterwegs waren, wurden sie geheilt und rein.
Einer von ihnen kehrte wieder zurück, als er merkte, dass er geheilt war. Er lobte Gott mit lauter Stimme, warf sich vor Jesus zu Boden und dankte ihm. Und dieser Mann war ein Samariter! Da fragte Jesus ihn: »Sind nicht zehn Männer rein geworden? Wo sind denn die anderen neun? Ist sonst keiner zurückgekommen, um Gott die Ehre zu geben – nur dieser Fremde hier?« Und Jesus sagte zu ihm: »Steh auf, du kannst gehen! Dein Glaube hat dich gerettet.«
 
Eine spannende Geschichte. Jesus sieht den Glauben der 10 Aussätzigen. Sie erwarten Großes von Jesus. Sie dürfen sich als Aussätzige, also Menschen mit einer ansteckenden Hauterkrankung, keinem gesunden Menschen nähern. So waren die Reinheitsgesetze damals. So mussten von weiter weg ihre Hoffnung, ihren Glauben an Jesu Heilungsmacht entgegenschreien. Und Jesus wirkt.
Aber erst müssen sie einen Glaubensschritt gehen. Loslaufen, ohne geheilt zu sein und erleben erst dann, wie die Heilung auf dem Weg eintritt.
 
Der Weg ging nach Jerusalem. Damals gab es am Tempel eine Art Gesundheits-TÜV. Priester untersuchten dort die Menschen, ob sie wieder kultisch rein waren, also am Gottesdienst teilnehmen konnten und wieder unter Menschen durften. Wenn dem so war, gab gewissermassen die Prüfplakette und alles war wieder gut.
 
Und nun passiert es: nicht alle gehen zu Jesus zurück, um ihm zu danken und ihn zu loben. Dank und Lob gehört übrigens biblisch eng zusammen. Wer dankt lobt und wer lobt dankt dadurch.
 
Da lobt und dankt nur einer und erweist Jesus die Ehre, in dem er sich vor ihm auf den Boden wirft und ihn so anbetet und dankt. Und dann war das auch noch ein Samariter. Einer Personengruppe, auf die die Juden aus historischen Gründen eher verächtlich schauten. Wo sich Juden als geistlich besser, als geistlich überlegen, viel näher an Gott dran sahen, als «diese Samariter da». Und doch kommt von den Frommen Geheilten keiner zu Jesus zurück. Nur der Samariter.
 
Es ist jetzt schwierig zu spekulieren, warum die 9 anderen nicht kamen. Vielleicht keine Zeit, erst mal mit Freunden und Familie Party machen, zu beschwerlicher Rückweg, oder auch «wer weiss schon, wo Jesus jetzt sein mag – würden wie eh nicht finden». 
 
Manchmal sind wir Menschen gut darin Erklärungen zu finden, warum etwas nicht geht. Wir nicht danken wollen oder können, dem, der uns Gutes getan hat. Wie schnell geht es auch uns so, dass wir vergessen Dankbarkeit zu zeigen, nachdem wir Dinge geschenkt bekommen hatten. 
 
Übrigens auch in Bezug auf Gott: wenn wir Dinge von ihm erbeten haben, sie dann erhalten. Und schon kurz darauf ist es schon wieder selbstverständlich geworden und wir sehen wieder auf das, was noch nicht ist und sind wieder unzufrieden, traurig, ärgerlich oder was auch immer.
 
Die 9 Geheilten der Geschichte kommen einfach nicht zurück. Keine Ahnung, warum. Und Jesus wundert sich. Sieht jedoch den Glauben dieses einen an ihn und freut sich darüber. Und die Geschichte endet.
 
Ja, Jesus Christus freut sich auch über ein dankbares Wort.
Gott freut sich darüber, wenn wir dankbar sind. Es ihm auch entsprechend sagen. Und es gibt ja so vieles, weswegen wir dankbar sein können.
 
Sprich doch mal kurz mit deinem Banknachbar darüber: worüber bist du so dankbar in deinem Leben? Da gibt es viele Dinge, wenn wir mal drüber nachdenken – oder?
 
Im vergangenen Himmelwärts hatten wir über das Thema „Reichtum“ gesprochen. Es auch von der geistlichen Seite aus beleuchtet. Was Gott uns alles an geistlichen Dingen zukommen lässt. usw. usw. Das ist alles Grund, ihm sehr dankbar zu sein.
 
Und doch passiert es uns leider viel zu schnell, dass wir nach links und rechts schauen, wie gut es unseren Mitmenschen geht. Oder auch nach oben vergleichen, mit denen, die deutlich mehr haben als ich. 
 
Und wir sehen schnell: Mehr Geld, das coolere Handy, mehr Freunde, in Schule oder Beruf erfolgreicher, mehr Autos, das Größere Haus und und und…
 
OK – es fällt ja schon nicht immer leicht dankbar zu sein, wenn wir Gutes erleben und erfahren. Dankbar zu sein, für das, was wir sind und haben. Menschen gegenüber. Aber auch Gott.
 
Doch wie ist das dann erst in Situationen, wo mir alles andere als nach einem herzlichen «Dankeschön» zumute ist? Wenn es mir nicht gut geht?
 
Wenn ich krank bin, mir Geld fehlt, wenn ich mit Leid unterschiedlichster Art konfrontiert bin? Wenn ich gemobbt, geschnitten, ausgegrenzt werde?
 
Nun komme ich zu zwei sehr herausfordernden Aussagen der Bibel.
 
Paulus sagt den Christen in Thessalonich: «Seid dankbar in allen Dingen» (1 Thess 5,17). Also nicht nur in den Hochzeiten des Lebens. Auch in den Tälern.
 
Und auch der Gemeinde in Ephesus schreibt er ganz ähnlich: «sagt Gott allezeit dank für alles» (Eph 5,20).
 
Seid dankbar in allen Dingen! Sagt Gott dank allezeit für alles.
 
Also auch für Not? Auch für Krankheit? Auch für Einsamkeit? Oder andere Dinge, die wir als schwierig erleben?
 
Man möchte Paulus zurufen: «Hey, Paulus, jetzt übertreibst du aber – Gott dankbar sein immer und überall und für alle Dinge - das kannst du doch nicht wirklich so meinen! Das geht doch gar nicht!»
 
Paulus würde hier vermutlich sagen: «Doch, genauso ist es gemeint.»
 
Er würde vielleicht weiter sagen: «entwickle eine Lebenseinstellung, dass du immer und überall für alles Gott dankbar sein kannst. Ohne Ausnahme. Sieh doch auf das, was Gott um dich herum alles Gutes wirkt. Auch in deinem Leben. Schau nicht immer auf das, was nicht gut ist, sondern geh aktiv auf die Suche, wo das Gute zu finden ist – und sei dann Gott dankbar dafür!»
 
Paulus weiss wovon er spricht. Er kennt das Schwierige. Wenn wir auf das Leben von Paulus schauen, sehen wir viel Mühe, viel Leid. Viel Verfolgung. Er beschreibt selbst einmal wie mühsam sein Leben ist: er wird ausgepeitscht, mit Stöcken geschlagen, mehrfach überfallen und ausgeraubt, erleidet Schiffbruch, wird einmal fast zu Tode gesteinigt, erleidet Kälte und Hitze, hat eine Krankheit, die ihm zu schaffen macht und von der ihn Gott nicht heilt. Und wird über Jahre unschuldig gefangen gehalten, bis er dann in Rom irgendwann um 60 n.Chr. herum gewaltsam zu Tode kommt.
 
Paulus kann sich trotzdem einen dankbaren Blick bewahren. Er sieht seine Schwäche sogar als Gewinn an. Weil gerade dadurch Gott besonders stark wirken kann.
 
Und er ist immer und überall voll des Lobes für Gott, voller Dankbarkeit. Weil Gott Gott ist. Weil er so vieles an geistlichen Gaben geschenkt bekommen hat. Dass er sein Kind sein darf. Dass er begründete Ewigkeitshoffnung haben und vieles mehr.
 
Es gibt einen Psalm. Da kann ein Vers nochmals ein anderes Licht auf das Thema werfen. Es ist der Psalm 50. Dort heisst es im 14. Vers: «Bring Gott dein Dankgebet als Opfer dar!»
 
Opfere Gott Dank. Bring ihm ein Dankopfer.
 
Eine eigenartige Formulierung. Was ist damit gemeint?
 
Ein Opfer ist es, wenn wir etwas tun, was uns nicht so leicht fällt. Ein Opfer kostet etwas. Sonst ist es kein Opfer.
Ein Opfer kostet Geld. Ein Opfer kann auch unseren Stolz kosten. Einmal Danke zu sagen, auch wenn wir denken, der andere – auch Gott hat es jetzt aber mal gar so verdient. 
Ein Dankeschön – auch Gott gegenüber in allen Situationen – kostet durchaus auch Überwindung. Das geht uns nicht so einfach über die Lippen.
 
Der Dank als Opfergabe Gott gegenüber.
 
Darf uns, darf dir Dank auch etwas kosten? 
Also einfach mal danken, auch wenn ich (noch) nichts erhalten habe? Oder wenn ich noch in der schwierigen Situation feststecke, kein Licht am Ende des Tunnels sehe?
 
Oder sind wir erst dankbar gewissermaßen als Bezahlung, als Belohnung dafür, dass Gott gut in unserem Leben wirkt?
 
Danken als Opfer. Ein vielleicht sehr ungewöhnlicher Gedanke. Und doch ist das in der Bibel sehr verbreitet und nicht ungewöhnlich.
 
Von Paulus haben wir ja schon gehört. Aber auch Jesus hat seinen Vater im Himmel immer wieder gelobt und gedankt – auch wenn seine Situation nicht immer einfach war. Danken, Dankbarkeit als geistliche Lebenshaltung.
 
Wir kommen wieder zu der Aussage von vorhin zurück: «Seid dankbar in allen Dingen! Sagt Gott dank allezeit für alles.»
 
Vielleicht hilft dir da der Gedanke, dass Dank auch mal was kosten darf. Dass man nicht erst dann danke sagen kann, wenn unser Herz vor Dankbarkeit überquillt. Da natürlich auch. Vielleicht sogar erst recht. Und noch viel häufiger als wir es bereits tun.
 
Aber auch in Zeiten, wo uns alles andere als dankbar zumute ist. Da auch danke sagen zu können.
 
Paulus gibt da einen Gebetstipp weiter, wie man dankbar beten kann, auch wenn die Gefühle nicht so ganz da sind.
 
Der Gemeinde in Philippi schreibt er in Kapitel 4, Vers 6:
 
«Macht euch keine Sorgen. Sondern bringt Gott im intensiven Gebet alle eure Anliegen – und zwar mit Dank!» 
 
Wie soll das ganz praktisch gehen? Danken, ohne es schon vorher empfangen zu haben?
 
Man kann es «Vorgriffsdanken» nennen. Also ein Dankgebet, was schon damit rechnet, dass Gott handeln wird. Seinem Handeln dankbar vorgreift. Ihm also dankbar dafür zu sein, dass er handeln wird. Also, darauf zu hoffen, es von Gott zu erwarten, dass er handeln wird. Und dafür ihm schon danke zu sagen.
 
Wie kann sich so ein Gebet ganz praktisch anhören?
 
Wenn man so oder so ähnlich betet.
 
«Herr, ich danke, dass du mich siehst, meine Not, mein Anliegen kennst und hier eingreifen wirst!»
 
Oder: «Ich danke dir, dass du handeln wirst – wie auch immer. Weil du Gott bist. Und alles kannst, alles siehst und die Welt in deiner Hand hälst.»
 
Oder: «Ich danke, dass du in meinem Leben eingreifen wirst. Ich freue mich schon jetzt darauf und bin gespannt, wie das passieren wird.»
 
Ich habe mir im Laufe der Jahre angewöhnt, nicht nur, aber auch so zu beten. Gebet als Dankopfer zu bringen. Den Dank schon zu sagen, auch wenn ich Gottes Handeln noch gar nicht sehe.
 
Und ich merke, wie es ganz neu eine Freude und Kraft freisetzen kann, wenn ich Gott einfach mal so «danke» sage. Ohne, dass ich zuvor schon was erhalten habe.
 
Und ich bin mir sicher, dass er sich über dies Glaubensopfer, dieses Dankopfer freut. Und dann schon zu seiner Zeit und auf eine für mich gute Weise in meinem Leben eingreifen wird.
 
Dank auf unterschiedlichste Weise und in unterschiedlichen Lebenssituationen. Und unser guter Gott im Himmel schenke uns allen viele gute Erlebnisse, wenn wir so oder so ihm dankbar sind und entsprechend beten! Ihm zum Lob und zur Ehre.
 
Amen.