Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen mit Tabea Richardson
Predigt: Liebe ist ... geduldig
(1. Korinther 13, 4 - 7)
Lieder:
- FJ6 154: Das glaube ich (Ich glaube an den Vater) CCLI-Nr.: 7024191
- FJ6 7: Alles tanzt CCLI-Nr.: 7160095
- FJ5 85: Ewig treuer Gott (Es liegt Kraft in dem Warten auf den Herrn) CCLI-Nr.: 5227378
- FJ6 150: Nur durch Christus in mir CCLI-Nr.: 7129715
- FJ1 97: Ich singe dir ein Liebeslied (In deinem liebenden Arm) CCLI-Nr.: 5229527
- FJ6 219: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265
Liebe ist ... geduldig
Himmelwärtsgottesdienst
Wer mich besser kennt, fragt sich vielleicht, warum ausgerechnet ich hier heute stehe, um über das Thema Geduld zu sprechen. Es kann nur an einem sehr geduldigen Gott liegen, sage ich euchJ. Mein Name ist Tabea Richardson, ich gehöre zur Gemeindeleitung hier und ich selbst würde mich in punkto Geduld eher unterdurchschnittlich bewerten. Andererseits: Ist es nicht auch so, dass wenige Leute von sich behaupten würden, ein besonders geduldiger Mensch zu sein?
Mein Eindruck ist: Ungeduldig zu sein ist in unserer Kultur nicht nur „normal“, sondern auch ok. Mehr noch, unser hoch entwickeltes, durchdigitalisiertes Leben trimmt uns gerade zu darauf, uns eher in Ungeduld, als in Geduld zu üben. Auf etwas warten zu müssen, an etwas arbeiten zu sollen, finden wir mühsam. Und wenn ich ehrlich bin, dann klingt Geduld haben irgendwie auch langweilig und passiv. Wie etwas für Leute, die zu viel Zeit haben. Was tue oder erreiche ich denn, wenn ich geduldig bin? Unser Bibelwort aber stellt die Geduld bzw. den Langmut ganz vorne auf die Liste der liebevollen Eigenschaften und das Erdulden, ans Ende. Die Liebe ist also eingerahmt von Geduld.
Deshalb wollen wir heute der Geduld ein Makeover, einen neuen Anstrich geben. Denn Geduld ist in Wahrheit eine Superpower, die keineswegs passiv oder nichtstuend wirkt. Sie ist eine Eigenschaft, die Gottes Liebe zu uns zum Ausdruck bringt, und ihr durch uns auch neue Räume schaffen kann.
Zwei Formen von Geduld wollen wir anschauen, zunächst aber: Wie und wo erleben wir denn eigentlich Geduld oder Ungeduld? Es gibt jetzt Gelegenheit, das gemeinsam zu überlegen: zu zweit oder zu dritt zusammen habt ihr 4 Minuten Zeit, um euch auszutauschen über eine der folgende 2 Fragen, die ihr euch je aussuchen dürft: Gibt oder gab es in meinem Leben eine Person, deren Geduld mir gut tut? Gibt es bestimmte Situationen, in denen ich schnell ungeduldig werde?
Also Geduld brauche ich, wenn entweder die Umstände oder andere Menschen nicht gleich so sind, wie ich es brauche. Wenn es länger dauert, bis ein anderer etwas
begreift, im Straßenverkehr z.B., endlich schaltet und fährt. Oder wenn ich krank bin und es Zeit braucht, bis ein Medikament wirkt oder die Heilung von alleine kommt.
In beiden Situationen, wenn ich Geduld mit Menschen oder mit meinen Umständen brauche, habe ich die Chance, mit Gott in einen dynamischen Austausch zu treten, ihn auf mein Spielfeld einzuladen. Was zunächst ein Mangel ist, kann zum Raum werden für Gottes Liebe. Wir, die wir uns in Geduld anfangs nur üben, können zu fröhlichen Geduldspielern werden.
Die Theologen nennen das Teilhaben am Wesen Gottes - wie an einem Erbe oder wie wenn man in seinen Mantel mit reinschlüpft.
Schauen wir beim Thema Geduld mit Menschen mal auf eine typische Beziehung, in der viel Geduld nötig ist. Die von Eltern mit ihren Kindern.
In der Eltern-Kinder Beziehung fällt mir auf, dass die meisten Eltern, wenn es um die ersten Entwicklungen im Leben ihrer Kinder geht, zwar vielleicht ein bisschen Ungeduld mitbringen, aber doch von einem gewissen Urvertrauen geleitet werden, dass die Kinder irgendwann schon Laufen lernen und auch keine Windel mehr brauchen. Wenn wir ein gesundes Kind haben, gehen wir zurecht davon aus, dass das irgendwann schon klappen wird. Warum? Weil wir umgeben sind von Menschen, die auch selbständig auf zwei Beinen und zur Toilette gehen können.
Ich glaube, so geht es Gott mit uns auch.
Er hat einen Beweis, dass das irgendwann schon klappen wird mit dem neuen Menschen in uns. Weil er weiß, was Jesus für uns getan hat, dass Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung die Verwandlung, die auch wir durchlaufen sollen, schon vollendet hat. Auch Paulus kann den Philippern zurecht schreiben: ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.
Im Galaterbrief lesen wir, dass Jesus in uns lebt und im Römerbrief, dass wir deshalb von Gott nicht mehr verurteilt werden. Sowohl Paulus als auch Gott haben Zuversicht für unser inneres Wesen, man könnte auch sagen, Langmut, einen Mut für das, was noch kommt und dafür, dass wir einmal so sein werden, wie wir von Gott her gedacht sind.
Wie schlüpfe ich in diesen Langmut mit hinein, wenn ich auf mich und andere schaue? Wenn ich glaube, dass Gott sein Werk in uns tut, dann kann ich im Moment X, wo ich mal wieder konfrontiert bin mit menschlichem Versagen, auch meinem eigenen, entspannt bleiben. Wenn die Liebe langmütig ist, weiß ich, Gott ist entspannt mit mir. Und das wiederum darf mich entspannen. Wdh: Wenn die Liebe langmütig ist, weiß ich, Gott ist entspannt mit mir. Und das darf auch mich entspannen. Lasst uns das mal mit einer kleinen Atemübung nachfühlen: Beim Einatmen denken wir du bist entspannt, ich darf entspannen. Du bist entspannt, ich darf entspannen.
Gott schaut nicht nur entpannt auf uns, er geht auch so mit uns um. Eine amerikanische Jugendpsychologin, deren Tipps ich mir manchmal hole, sagt Folgendes zum Umgang mit Kindern, die grade schwierig sind. Die beste Methode, alle Beteiligten daran zu erinnern, dass Teenager nicht nur kleine Monster sind, ist die Anteile in ihnen anzusprechen, die kooperativ, fair und umgänglich sind. Also nicht permanent das schlechte Benehmen zu benennen und ändern zu wollen, sondern das Gute hervorzukitzeln, indem ich es anspreche. Ich glaube, so macht Gott es mit uns. Er fokussiert sich auf den Christus in uns. Dabei will ich keineswegs kleinreden, dass der Geist Gottes manchmal auch den Finger in die Wunde legt, um uns etwas aufzuzeigen, aber die Art, WIE Gott mit uns spricht, richtet sich an das Wesen von Jesus in uns.
Das heißt, wenn ich mal wieder traurig bin über meine Reaktion auf andere, darf ich, statt mich ungeduldig selbst zu verdammen, auch freundlich mit mir sprechen. Und weitermachen. Meine Fehler und Mängel können Raum schaffen für eine Erfahrung von Gottes liebender Geduld mit mir und zwar durch meinen Umgang mit mir selbst. Sie können Raum schaffen für Gottes liebende Geduld mit mir.
Und wenn ich diese Erfahrung verinnerliche, einatme, du bist entspannt – oder du liebst mich, wenn ich diesen Gott, der nicht gestresst ist von mir oder den anderen, kenne, dann bin ich auch gewappnet für meine Umstände. Geduld mit Umständen kann ich üben, wenn ich Lust darauf habe, Gottes Spielspaß zu erleben.
Ich stelle mir vor, meine Ungeduld mit einem Lebensumstand ist so ein Spieler in meiner inneren Mannschaft. Und dieser Spieler sendet mir ein Signal. Chef, wir brauchen den Joker. Also zum Beispiel an der Supermarktkasse, wenn es nicht schnell genug gehen kann, weil ich Hunger habe und meine Kinder gleich nach Hause kommen. Wenn ich meine Ungeduld wie einen Mitspieler wahrnehme, habe ich die Geistesgegenwart, den Joker, also Gottes Geduld, aufs Feld zu holen. Und vielleicht entscheidet er dann das Spiel für sich und schenkt mir seinen Blick für die Menschen, die mit mir in der Schlange stehen und vielleicht ein freundliches Wort oder ein stilles Gebet brauchen. Wäre das nicht ein schöner Ausdruck von Gottes geduldiger Liebe zu mir und den anderen? Man kann es üben.
Und greift dieses Prinzip auch in den größeren Zerreisproben meines Lebens? Ich hoffe, ja. Ich will glauben, ja.
Wenn mir also mein Geduldsfaden reißen und mich in meine Abgründe stürzen will, weil ein Bedürfnis nicht erfüllt ist, dann will ich auch das als Chance sehen. Als Chance, diesen Faden wie die Saite eines Instruments zu spielen, deren Vibration einen neuen Klang erzeugt. Eine neue Geschichte erzählt. Von den Geheimnissen und Offenbarungen eines Gottes, der mich liebt, und die sogar größer als meine momentanen Bedürfnisse sind. Auf dem eigenen Geduldsfaden solche Musik zu spielen, zu Geduldsspielern zu werden, ist letztlich auch ein Akt der Selbstliebe. Denn wenn ich mich in Geduld übe, schenke ich mir selbst die Möglichkeit, die Spielräume und Sichtfelder meines Lebens zu erweitern. Man kann es üben.
Lassen wir noch einmal Revue passieren:
Wir haben gesagt, dass Geduld dann nötig ist, wenn unsere Bedürfnisbefriedigung auf die Probe gestellt ist. Wir haben gesehen, dass wir deshalb Geduld mit uns selbst und anderen haben können, weil Gott uns alle vom Ende her, von dem was Jesus bereits getan hat, sieht. Er ist nicht gestresst von unseren Defiziten. Das darf uns entspannen. Und es darf uns anspornen, mit unseren Umständen Geduld zu haben, unsere Ungeduld als Signal wahrzunehmen, dass wir einen weiteren Spieler auf dem Feld brauchen, der uns neue Sichträume eröffnet und neue Melodien auf unserem Geduldsfaden spielt, die uns in seine Wahrheit führen.
All das, weil er uns lieb hat und wir an seiner Liebe teilhaben und in sie reinschlüpfen dürfen.
Es gibt jetzt eine Zeit der Meditation, wo wir uns nochmal ganz persönlich für das Wirken von Gottes Geist öffnen können. Chris, vielleicht magst du schon kommen und für uns spielen.
Vielleicht brauchst du heute eine Offenbarung davon, wie Gott dich voller Liebe ansieht und voller Geduld anspricht. Dann sag ihm das.
Vielleicht willst du auch ja dazu sagen, zu einem Geduldsspieler zu werden. Dann bitte ihn darum, dich in den entsprechenden Momenten daran zu erinnern.
Vielleicht bist du aber auch jemand, der sagt: Ich kann einfach nicht mehr, ich habe schon so lange gewartet darauf, dass du, Gott, etwas tust. Dann bete ich jetzt für dich, Geist Gottes, bitte komm und schenke deinen Trost in allem, was noch nicht gut geworden ist.
Geist Gottes, bitte komm und zeig uns, wo du an uns wirkst. Amen.